AktuellesHoher Besuch in Laxenburg
Ein hoffnungsvoller Nachmittag im Schloss
„Verborgen im Schloss oder ein Geheimtipp?“, lacht der Direktor des IIASA (Internationales Institut für Angewandte Systemanalyse), John Schellnhuber, über den letzten Artikel im Standard, der über die Forschungstätigkeit des in Laxenburg ansässigen Instituts unter diesem Titel berichtet hatte. Und zugegeben, die Einsatzgebiete der internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die seit Jahrzehnten von Laxenburg aus versuchen, die Welt ein bisschen besser zu machen, sind so weit gefächert wie auch im kleinsten Detail verhaftet, und für die Nicht-Akademische Welt oft nur schwer zu verstehen.
Die Laxenburgerinnen und Laxenburger haben sich indes längst an die vielen Englisch sprechenden Menschen gewöhnt, die das Ortsbild seit Jahrzehnten viel bunter machen. Aber an diesem Dienstag im März ist die Aufregung am Schlossplatz trotzdem groß. Denn Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat sich angesagt, das internationale Institut zu besuchen.
„Völkerverständigung durch gemeinsame Spitzenforschung“, erklärt Direktor Schellnhuber die besondere Charakteristik der Forschungseinrichtung. Jedes Jahr wären die Wissenschaflter*innen des Instituts unter den weltweit meistzitierten Forscher*innen, so John Schellnhuber und unverzichtbar im Bereich der Science Diplomacy, denn Ideen könne man – im Vergleich zum Warenhandel – austauschen und dadurch ständig vermehren. Bundespräsident Van der Bellen zeigte sich begeistert von der Geschichte und der heutigen Arbeit des IIASA, in dem auch 2026 Forscherinnen und Forscher aus den USA und China, Russland und der Ukraine oder auch Israel und dem Iran Seite an Seite an zahlreichen Projekten zusammenarbeiten.
„Und die Gefahr eines neuen Kalten Krieges ist so groß, wie schon lange nicht mehr!“, verweist John Schellnhuber auf die Nachrichten der letzten Tage. Er selbst arbeitet derzeit unter anderem auch vermehrt an einem der größten Nachhaltigkeitsprojekte Afrikas, dem Kivu-Kinshasa Korridor, mit. Und die politische Lage in der Demokratischen Republik Kongo? „Natürlich sind die Erfolgschancen nur bei drei bis fünf Prozent“, gibt Schellnhuber zu, „aber stellen Sie sich vor, es würde gelingen!“
Mit der gleichen Begeisterung erzählen die anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von ihren Fachgebieten. Vom zweischneidigen Schwert der Digitalisierung in Bezug auf die Einhaltung der Klimaziele, von der interdisziplinären Forschung des Wassers rund um die Donau und den Neusiedler See oder der Bevölkerungsentwicklung in Österreich und im Rest der Welt.
Die Mathematikerin Elena Rovenskaya aus Moskau zeigt dann deutlich, was die Forschung im IIASA so besonders macht: Der ständige Versuch, neue Wege in unterschiedlichen Disziplinen zu finden, um beispielsweise Krisen besser vorhersagen zu können. Über Fachgebiete, Länder und Sprachen übergreifend, werden so gemeinsam für die Zukunft bereits Lösungen gesucht.
„Und wie funktionieren diese Modelle in der neuen Krise?“, erkundigt sich Bundespräsident Van der Bellen freundlich bei Elena Rovenskaya. „In welcher?“, antwortet sie lachend und gibt an diesem Nachmittag damit das Wort weiter an die vielen Kolleginnen und Kollegen, die schon ungeduldig auf ihren Moment mit dem Bundespräsidenten gewartet haben.
Was von diesem Besuch im Ort bleibt, ist der große Respekt, der den Forscher*innen von allen Gästen entgegengebracht wurde und das beruhigende Gefühl, dass auch in komplexen Zeiten im Hintergrund viele kluge und besonnene Köpfe an friedlichen und gemeinschaftlichen Zielen arbeiten. Und an einer Zukunft, die für alle lebenswert bleiben könnte.