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Historischer Überblick

Historischer Überblick

Mag. Barbara Hafner-Düringer, DI Wolfgang Mastny, Dr. Elisabeth Springer

Laxenburg tritt uns am Beginn seiner Geschichte unter dem Namen Lachsendorf (auch Lahsendorf oder Lassendorf) entgegen. Es ist wohl im Lauf der systematischen Kolonisierung des Wiener Beckens im 11. Jahrhundert entstanden. Die erste sichere urkundliche Nennung ist aus dem Jahr 1217 überliefert: Ein Wichard von Lassendorf wird in der Begleitung Herzog Heinrich des Älteren von Mödling genannt. Dieser und auch die später vorkommenden Herren von Lachsendorf begegnen uns stets als Parteigänger der Babenberger; wahrscheinlich wurden die angrenzenden Schwechatauen schon damals als Jagdgebiet genutzt. Wir können davon ausgehen, dass schon der allerfrüheste Schlossbau an der Stelle des heutigen Alten Schlosses in der Mitte eines kleinen Sees stand, der durch einen Arm der Schwechat gebildet wurde. Durch Kauf von 1306 und späteren Lehensanfall kam
Lachsendorf als Privatherrschaft an die Habsburger, jedenfalls soweit nach mittelalterlicher Vorstellung das allgemeine landesfürstliche Eigentum als Privateigentum des Landesfürsten angesehen wurde.

Im Lauf des 14. Jahrhunderts lässt sich nun die immer öftere Anwesenheit eines Herzogs in Laxenburg nachweisen. Unter Herzog Albrecht III. (1349/50 –1395) wurde es zum ersten Mal als ständige „Land“-Residenz vor den Toren von Wien bewohnt. Der Herzog ließ das damals schon bestehende Schloss großzügig ausbauen und durch Kunstwerke und Statuen aus der Burg am Kahlenberg schmücken; das umgebende Areal wurde zu einer Park- und Gartenanlage ausgebaut und darin ein Tiergehege eingerichtet. Im Zuge dieses gesteigerten herzoglichen Interesses erhielt das beim Schloss liegende Dorf 1388 das Marktrecht und den neuen Namen „Laxenburg“; die Namensform Lachsendorf wurde zunächst parallel dazu beibehalten, bis sich die neue Form endgültig durchsetzte.

Das Aussehen des Schlosses, wie in Abbildungen seit dem 16. Jahrhundert überliefert, geht in Grundzügen wahrscheinlich auf diese Periode zurück. Wesentlich ist die Lage zwischen den Schwechatarmen als Wasserschloss, sowie der im Wassergraben frei stehenden sogenannte Badeturm, in dessen Erdgeschoß sich der Zugang zu einer warmen Quelle befunden haben soll. Unter Albrechts Nachfolgern wurden der zur Herrschaft gehörige Grundbesitz durch Ankäufe und Tauschverträge – meist Wiesen – vergrößert. Kaiser Friedrich III. (1415 – 1491) hat sich im zweiten Schlosshof durch Anbringung seines Monogramms und einer Inschrift verewigt. Sein Sohn und Nachfolger Kaiser Maximilian I. (1459 – 1519) ließ in der Gartenanlage erneut einen Tiergarten einrichten und die Anlagen nach „Niederländischem“ Geschmack bepflanzen.

Im folgenden Jahrhundert wurde die Herrschaft Laxenburg meist an hohe Hofwürdenträger verpfändet, doch diente das Schloss auch weiterhin als vorübergehender Wohnsitz der Kaiserfamilie. Ab etwa 1610 häufen sich die Nachrichten über Besuche von Habsburgern in Laxenburg zur „Sommerfrische“. Der finanzielle Ertrag der Gutsherrschaft bestand bis zum 16. und frühen 17. Jahrhundert in der Abhaltung von großen Ochsenmärkten, welche die Vermittlung zwischen den großen ungarischen Ochsenzüchtern und den Hauptabnehmern in Oberdeutschland herstellten. Der alte abgesteckte Platz für diesen Markt als großer linsenförmiger Anger ist im kurvigen Verlauf
der Häuserfassaden auf dem Schlossplatz und in der Herzog Albrecht-Straße noch erkennbar, weil im 14. Jahrhundert die Mitte des großen Dorfangers durch das Grätzel verbaut wurde.

Seit Kaiser Leopold I. (1640 – 1705) werden Aufenthalte von jeweils drei bis fünf Wochen im Frühjahr und im Herbst die Regel. In den Jahren zwischen 1670 und 1682 herrschte rege Bautätigkeit in Laxenburg, die sowohl das Schloss als auch einige Adelspalais’ betraf. Nach den Zerstörungen während der Türkenbelagerung Wiens 1683 mussten zahlreiche Bürger- und Bauernhäuser neu gebaut und viele Nebengebäude des Schlosses in Stand gesetzt werden.
Bei diesen Reparaturarbeiten werden vor allem Gebäude und Anlagen in Zusammenhang mit der Falkenjagd genannt. Im Umkreis des Schlosses entstanden auch Palais’ des Adels, so der Schwarzenberg, Dietrichstein, Sinzendorf, Schönborn, Schlick, Kaunitz und anderer. Nicht übersehen werden darf auch die Neugestaltung der Pfarrkirche, die mit der Grundsteinlegung durch Kaiser Leopold am 11. Juni 1693 begonnen wurde.

Im 18. Jahrhundert erlebte die Jagd mit Hilfe des Falken, die so genannte Reiherbeize, eine erneute Blütezeit; sie wurde nun noch stärker als höfischer Sport von Wenigen für viele Zuschauer zelebriert. Die Epoche Karls VI. brachte manche Neuerungen, unter anderem auch eine starke Präsenz von spanischen Adeligen. Es wurden auch bedeutende Verträge hier abgeschlossen und die Texte für die Pragmatische Sanktion 1713 in Laxenburg vorbereitet. Die Bautätigkeit unter Maria Theresia (1717 – 1780) brachte für den Ort Laxenburg die größten topographischen Veränderungen seit seiner Begründung. Um eine direkte Zufahrtsstraße aus der Richtung von Wien her zu den Schlossgebäuden zu haben, wurden einige Bauernhäuser in der Mitte des alten Marktgrätzels angekauft und die Hofstraße gerade durch angelegt. Gleichzeitig setzte ein Modernisierungsschub ein: der Teich um das Alte Schloss wurde trockengelegt, der Badeturm entfernt und bei beiden Schlosstürmen die obersten Stockwerke abgetragen.
Zur Erweiterung der Wohnmöglichkeiten für die kaiserliche Familie wurde auch der Blaue Hof angekauft und durch Einlösung einiger auf dem anschließenden Areal bestehender Bauernhäuser durch Gänge mit dem Alten Schloss verbunden. Der zugrunde liegende großzügige Plan von 1765/67 geht auf Niccolo Pacassi zurück und wurde bis gegen 1775 nur in reduzierter Form ausgeführt. Auf diese Planung gehen der Speisesaaltrakt, das Theater, das Schüsselgebäude und die Passespielhäuser zurück. Die von dieser Einlösung und durch andere Ankäufe zwischen 1760 und 1770 betroffenen Hausbesitzer wurden entlang der Wienerstrasse nördlich der Achauerstraße auf bisher unbebautem Terrain angesiedelt. Größter Wert wurde nun auch auf die Kanalisierung der vielen Wasserläufe im Gebiet von Laxenburg verwendet. Die berühmtesten Ingenieure des Jahrhunderts haben diesbezügliche Vorschläge gemacht, die meist auch eine gärtnerische Gestaltung des Parks beinhalteten. Die Entscheidung in dieser Hinsicht fällte erst Joseph II. (1741- 1790), der die Anlegung eines Englischen Landschaftsgartens befahl. Noch weiter in dieser Stilrichtung gingen die Ambitionen seines Nachfolgers Franz II. (I.) – (1768 – 1835). Dieser Englische Park erhielt nun auch einen riesigen künstlichen Teich und darin auf einer Insel eine nachempfundene „Gotische Ritterfeste“, die Franzensburg. Der Park wurde auch durch eine Grotte, einen Turnierplatz und viele andere romantische Gebäude bereichert. Für einige dieser Bauten und vor allem für die in Laxenburg veranstalteten Feste war in den Jahren 1790 bis 1807 die zweite Gemahlin Kaiser Franz’, Kaiserin Marie Therese die Initiatorin.

Am äußeren Erscheinungsbild von Schloss und Park hat sich seit damals nichts Grundlegendes geändert. Neuerungen kamen lediglich durch die technischen Erfindungen des 19. Jahrhunderts: dem Bau einer Flügelbahn von Mödling nach Laxenburg verdanken wir den Kaiserbahnhof, während die Trasse der Aspangbahn weit außerhalb des alten Ortskerns verläuft. Das 20. Jahrhundert brachte Laxenburg den letzten höfischen Glanz als Kaiser Karl von März 1917 bis Mai 1918 viele Wochen hier zubrachte; in diese Zeit fielen auch die oft zitierten Geheim-Verhandlungen mit Sixtus und Xavier Bourbon-Parma, den Brüdern der Kaiserin Zita. Die entscheidende Wendung kam 1918: Das Ende der Monarchie bedeutete auch das Ende als kaiserliche Nebenresidenz. Nach dem kurzfristigen Versuch einer privaten Verwertungsgesellschaft wurde Laxenburg durch den Kriegsgeschädigten-Fonds verwaltet. Alles, was mit dem Stichjahr 1919 als „Ehemaliges Hofgebäude“ galt, war bis in die 1960er Jahre vom gleichen Schicksal betroffen. Dies betrifft die Objekte Nr. 2, 3, 4, 5, 6, 7, 10, 11, 14, 15, 16, 18, 22, 24, 25, 26, 27, 28, 32 und 51 unseres Kulturparcours. Sinngemäß trifft das auch für den Schlosspark (Nr. 17) und die Rossschwemme (Nr. 20) zu. Bei den betreffenden Gebäuden wird daher die Entwicklung von 1919 bis etwa 1972 nicht gesondert hervorgehoben, sondern hier pauschal abgehandelt.

Das Jahr 1938 brachte mit der Nazi-Herrschaft den Anschluss Laxenburgs an Groß-Wien als Teil des 24. Bezirkes. Gleichzeitig wurde der Kriegsgeschädigten-Fonds aufgelöst und die Schloss- und Gutsverwaltung mit allen Hofgebäuden und dem zugehörigen Areal von Park und Landwirtschaft von der Gemeinde Wien übernommen. Während des Zweiten Weltkrieges dienten der Blaue Hof und seine Nebengebäude als Militärmagazin für die deutsche Wehrmacht. Der größte Teil der in diesen Gebäuden verwahrten Möbel und Kunstgegenstände kamen in Wiener Museen. Von 1945 bis 1955 wurden das Schloss und ein großer Teil des Parks von der sowjetischen Militärbesatzung benützt. Von den dadurch bedingten Zerstörungen konnte sich Laxenburg nur langsam erholen.

Die „Rückführung“ der Randgemeinden nach Niederösterreich 1954 brachte die Möglichkeit zu einem Neubeginn. Die Gründung einer eigenen Schloss Laxenburg Betriebsgesellschaft getragen von den Bundesländern Wien und Niederösterreich 1962 brachte den entscheidenden Schritt zum Wiederaufbau, der mit dem Einzug des IIASA (Internationales Institut für angewande Systemanalyse) in den Blauen Hof 1972 weitergeführt wurde. Es wurden nun auch die Besitzverhältnisse zwischen der Stadt Wien und der Gemeinde Laxenburg abgeklärt. Der Ort Laxenburg hat zwischen den Jahren 1975 bis 1995 an Häuser- und Einwohnerzahl bedeutend zugenommen, sich danach aber bei gesamt ca. 3.300 Einwohnern eingependelt. Zu jeder Zeit konnte jedoch der alte Ortskern sein historisch gewachsenes Ortsbild zum Glück bewahren. Der ca. 8.000 m2 große Schlossplatz gilt nicht zuletzt durch die gelungene Platz-Revitalisierung nach Plänen von Architekt Boris Podrecca als einer der schönsten geschlossenen Plätze Österreichs. Die hier als Kurzfassung wiedergegebene höchst wechselvolle Geschichte von Laxenburg wird in dem in Arbeit befindlichen Heimatbuch ausführlich behandelt werden; auf diese „Langfassung“ kann daher ausdrücklich hingewiesen werden.

Laxenburg, im Mai 2010

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