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Palais Kaunitz (21)

Ort der Mitte

Münchendorfer Straße 2 

Leopold Philipp Montecuccoli kaufte 1695 von der Gemeinde Laxenburg ein leeres Grundstück. Dessen Erbin Maria Antonia Montecuccoli verkaufte diese Liegenschaft 1698 an Dominik Andreas Kaunitz-Rietberg, dieser konnte in den weiteren Jahren Gemeindegrundstücke bis zum Mühlbach und zur Schleuse erwerben und errichtete an dieser Straßenfront eine feste Gartenmauer, die dem Verlauf der heutigen Klostermauer an der Münchendorfer-, Kaunitz- und Guntramsdorferstraße entsprach. Das Konzept für das Palais stammt wahrscheinlich von Domenico
Martinelli. Die Durchführung erfolgte bis 1703 unter Baumeister Simon Carove mit dem Steinmetzen
Pietro Bombelli. Die malerische Innenausstattung in mehreren Räumen und im Stiegenhaus mit Architekturmalerei
schuf Josef Pichler um 1775. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel durch die Familien Schlick, Lobkowitz, Chotek, Graf Luigi Canale (eigentlich Malabaila conte di Canale), der piemontesische Botschafter am Kaiserhof, erwarb 1774 der Staatskanzler Wenzel Anton Kaunitz-Rietberg das Palais. Er ließ es unmittelbar danach im Stil der Zeit
ausbauen. Davon sind noch Teile der malerischen Ausstattung vorhanden, wie etwa die Gestaltung des
Stiegenhauses mit sieben Nischen mit Büsten antiker Staatsmänner, Philosophen und Dichter in Freskotechnik.
1803 wurde das Palais wieder verkauft und zwar an den Kabinettsminister Franz de Paula Colloredo.
Schon 1806 verkaufte die verwitwete Gräfin Victoria Colloredo das Palais samt Garten an Fürst Nikolaus Esterhazy. 1898 ging es an das Geschlecht der Salzer über und 1907 erwarb Clara Wittgenstein und Geschwister, (Tanten und Vater des Philosophen Ludwig Wittgenstein und des einarmigen Pianisten Paul Wittgenstein) das Palais. Clara Wittgenstein war eine große Wohltäterin für Laxenburgs Schule, Kindergarten und minderbemittelte Bürger. Mit dem
Ableben von Frl. Clara Wittgenstein 1935, konnten die Barmherzigen Schwestern vom Hl. Kreuz den angrenzenden
Besitz vom Erben Paul Wittgenstein zum günstigen Kaufpreis von öS 102.000,- erwerben. Die damalige Frau Oberin, Theodosia Albrecht, gab dem Palais den Namen „Stella“ (lateinisch = Stern), in Angleichung an den Namen des „Sterngebäudes“. Das Palais wurde stilgerecht renoviert. Danach fand das „Stellagebäude “ als Schulgebäude Verwendung, mit einer Haushaltungsschule, einer Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe,
einer Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen, „als eine der besten und modernsten ausgestatteten weiblichen Erziehungsanstalten.“ Im Juni 1936 erfolgte die Einweihung durch Kardinal Innitzer. 1938 war den geistlichen Schwestern die Erziehertätigkeit verboten, der Schulbetrieb musste aufgelassen werden. Die Räume der Stella wurden nach der 1941 erfolgten Beschlagnahme der Klostergebäude in ein Lazarett umgewandelt. Von 1945
bis 1947 war das Palais von den Russen besetzt, die dort ein Offiziersheim einrichteten. Nach der Freigabe
der Stella 1947, konnte der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden und wurde bis 1988 geführt. 1979 erfolgte der Dachausbau zu einem Mediationsund Gemeinschaftszentrum „Ort der Mitte“, das sich 1988 mit der Schließung der Haushaltungsschule auf das gesamte Gebäude ausweiten konnte. 2007 ergab sich die Gelegenheit, das Palais Kaunitz an das Land Niederösterreich zu verkaufen mit der Nutzung als internationale Ausbildungsstätte (Internationale Anti- Korruptions-Akademie = IACA). www.iaca-info.org
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