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ARGE Flüchtlingshilfe Laxenburg, Bericht 1. Quartal 2018

Halbzeit zur Integration -  2 Jahre ARGE Flüchtlingshilfe Laxenburg

 Als im Verlauf des Jahres 2015 die Unterbringungskapazität für neu ankommende Flüchtlinge in Österreich immer knapper wurde, entstand auch in Laxenburg – wie in vielen anderen Gemeinden - eine Initiative zur Bereitstellung von Privatquartieren, um die Aufnahme von geflüchteten Menschen zu ermöglichen. Mit tatkräftiger Unterstützung der Marktgemeinde gelang es bald eine Gruppe freiwilliger HelferInnen aufzubauen, die mit Wohnraum, Sach-, Zeit- und Geldspenden für all die begleitenden Maßnahmen sorgten, die für ein solches Unternehmen unerlässlich sind.

Nach und nach konnten 24 Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak u. Afghanistan, darunter 4 Familien (mit insgesamt 9 Kindern) in 7 verschiedenen privaten Quartieren untergebracht werden. Die freiwilligen HelferInnen, ab Herbst 2015 als „ARGE Flüchtlingshilfe Laxenburg“ organisiert, unterstützt vom Sozialreferat der Gemeinde und der Pfarre, bemühten sich intensiv Starthilfe für die Ankömmlinge zu leisten – von der nötigen Ausstattung über administrativen Beistand bis zum Erlernen der Sprache - und darüber hinaus durch  persönliche Zuwendung den beginnenden Integrationsprozess zu begleiten. 

Laut MigrationsexpertInnen sind für eine gelingende Integration geflüchteter Menschen 4 -5 Jahre und manchmal auch mehr anzusetzen. In welcher Weise konnten nun die in unserem Ort vor etwa 2 Jahren aufgenommenen Personen auf dem Weg der Integration vorankommen? Voraussetzung dazu ist ein positiver Verlauf des Asylverfahrens. 20 der 24 Personen erhielten einen positiven Asylbescheid, 2 Personen subsidiären Schutz, bei einem jungen Mann ist das Verfahren noch immer nicht abgeschlossen und einen Burschen verloren wird nach einem negativen Bescheid aus den Augen.

Alle anderen Erwachsenen besuchten u. besuchen noch AMS-geförderte und bei mangelndem Angebot auch privat finanzierte D-Kurse und erreichten A2, B1 und sogar B2 Niveau.

Rund 2/3 der Menschen haben im Zuge ihrer Verselbstständigung unseren Ort schon wieder verlassen: eine Familie ist nach Mödling, zwei Familien und drei alleinstehende Männer sind nach Wien und einer nach Velm übersiedelt. Sie haben eigene Mietwohnungen oder einen WG-Platz erworben. Ein junger Syrer arbeitet in der Gastronomie, einer unterrichtet i.R. eines freiwilligen Integrationsjahres in einer NGO und der Iraker macht eine Lehre zum Gastronomiefachmann. Die Familien benötigen neben weiteren Kursbesuchen noch Sozialhilfe.

Von den in Laxenburg verbliebenen Flüchtlingen, leben sechs Personen in drei  Mietwohnungen, nur ein junger Afghane ist noch ‚passagerer Mitbewohner‘. Zwei junge Männer arbeiten im Wirtschaftshof, einer schließt eben einen Hauptschulabschlusskurs ab und einer absolviert in Wien eine ‚außerordentliche‘ Friseurlehre. Die dreiköpfige Familie bedarf noch der Mindestsicherung, doch steht die Arbeitssuche der Mutter in Kürze bevor.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass hinsichtlich der Parameter Wohnen, Spracherwerb und Arbeit der Integrationsprozess gut im Erwartungsbereich verläuft, natürlich mit unterschiedlichem Tempo, abhängig von individueller Vorbildung, Begabung und familiären Belastungen. Selbstverständlich bedurfte der Schritt in eine eigenständigere Lebensweise angesichts der teuren Konditionen am Wohnungsmarkt noch einmal intensive organisatorische und finanzielle Unterstützung. Die Bereitschaft der Gemeinde zunächst gemeinnützige Mitarbeit und im Weiteren Anstellungen im Wirtschaftshof zu ermöglichen, war ein wesentlicher Integrationsbeitrag. Umgekehrt sind bedauerliche Kürzungen der Mindestsicherung in NÖ, ebenso wie die Verweigerung von Fördermaßnahmen für  Asylwerber gesamtgesellschaftlich unbedeutende Sparmaßnahmen und lediglich eine Auslagerung der Kosten an Kommunen und Privatpersonen. Ganz besonders bedauerlich ist die verschleppte Abwicklung eines Antrags auf Familiennachzug. Die Sorgen um Frau und Kind sind nicht gerade integrationsförderlich!

Freude bereiten hingegen die Kinder, besonders die SchülerInnen mit zumeist beachtlichem Sprach- und damit auch Leistungszuwachs. Sie haben den sozialen Anschluss im Klassenverband geschafft. Ein im Februar geborenes Mädchen entwickelt sich ganz prächtig!

Abschließend sei noch einmal allen UnterstützerInnen in den verschiedenen Phasen der Flüchtlingsbetreuung für ihre engagierten Auf- und Zuwendungen ganz herzlich gedankt!

 

Dr. Irmela Steinert